TL;DR
- 5 typische KI-Signale bei englischen Übersetzungen: übertrieben formell, keine Abkürzungen, passive Satzkonstruktionen, schablonenhafte Formulierungen, Scheu vor einfachen Wörtern
- 5 Szenarien im Vergleich: KI-Version vs. natürliche Version – deckt 80 % der alltäglichen Arbeitskommunikation ab
- 5-Schritte-Checkliste: in 30 Sekunden den KI-Ton loswerden
Kennen Sie das? Sie investieren fünf Minuten, schreiben mit DeepL oder ChatGPT eine englische E-Mail, lesen sie einmal durch, denken: „Klingt ganz glatt" – und schicken sie ab. Die ausländischen Kollegen antworten, aber irgendwas fühlt sich komisch an. Nicht, weil die Grammatik falsch wäre – es ist dieses schwer zu fassende „Seltsam".
Falls ja, sind Sie nicht allein. Tausende Nicht-Muttersprachler erleben täglich genau dasselbe Dilemma.
Das Problem liegt nicht in der Übersetzungsgenauigkeit – die KI ist inzwischen ziemlich treffsicher. Das Problem ist, dass die KI-Englisch zu korrekt schreibt – so korrekt, dass es sich nicht mehr nach einem Menschen anhört.
Muttersprachler können oft selbst nicht genau sagen, warum es sich seltsam anfühlt – aber sie spüren es. Dieses subtile Unbehagen ist der „KI-Ton".
Die gute Nachricht: Dieser Ton lässt sich entfernen. Sie müssen kein Muttersprachler werden – Sie müssen nur wissen, wo die KI ihre Spuren hinterlässt.
Die 5 typischen KI-Signale im Englischen
Ich habe zahlreiche KI-übersetzte/-generierte englische Texte analysiert und fünf Merkmale identifiziert, die Sie am ehesten verraten.
1. Übertrieben formell, wie ein juristisches Dokument
Die KI denkt: formell = professionell. Also schreibt sie: „I am writing to inform you that the meeting has been rescheduled due to unforeseen circumstances." Ein Muttersprachler? „Quick heads up – I moved the meeting. Something came up."
2. Keine Abkürzungen, wie ein Lehrbuch
Die KI verwendet fast nie „don't", „I'll", „we're", „it's". Sie schreibt „do not", „I will", „we are". Wenn Muttersprachler eine E-Mail ohne Abkürzungen sehen, denken sie sofort: „KI geschrieben."
3. Übermäßige Passivkonstruktionen
„It was decided that", „The proposal has been approved" – wer hat entschieden? Wer hat genehmigt? Die KI sagt es nicht. Muttersprachler sagen direkt: „We decided", „I approved it."
4. Schablonenhafte Floskeln
„Please do not hesitate to contact me", „Please find attached", „Per our conversation" – diese Phrasen tauchen in KI-Texten mindestens zehnmal häufiger auf als bei Menschen.
5. Scheu vor einfachen Wörtern
Die KI denkt, „help" sei zu simpel, also schreibt sie „facilitate"; „use" wird zu „utilize", „end" zu „terminate". Muttersprachler machen genau das Gegenteil.
Die Trainingsdaten der KI stammen größtenteils aus Pressemitteilungen und juristischen Dokumenten – alles formelle Texte. RLHF bevorzugt zudem Ausgaben, die „professionell" wirken. Also setzt die KI „formell" mit „professionell" gleich.
5 Szenarien: KI-Version vs. natürliche Version
Szenario 1: E-Mail-Anhang
KI-Version: „Please find attached the updated proposal for your review."
Natürliche Version: „I've attached the updated proposal – let me know what you think."
→ Streiche „Please find attached", verwende die Abkürzung „I've"
Szenario 2: Bestätigung des Eingangs
KI-Version: „We acknowledge receipt of your email dated March 15 and appreciate your prompt response."
Natürliche Version: „Thanks for your email on March 15 – got it, appreciate the quick reply."
→ Streiche „acknowledge receipt", füge „got it" ein
Szenario 3: Bitte um Bestätigung
KI-Version: „We would appreciate it if you could kindly confirm your availability for the aforementioned meeting."
Natürliche Version: „Can you let me know if you're free for the meeting?"
→ Streiche „would appreciate/kindly", formuliere als direkte Frage
Szenario 4: Terminverschiebung
KI-Version: „The meeting has been rescheduled to next Tuesday due to unforeseen circumstances."
Natürliche Version: „I moved the meeting to next Tuesday – something came up."
→ Passiv in Aktiv umwandeln, „due to circumstances" durch „something came up" ersetzen
Szenario 5: LinkedIn-Beitrag
KI-Version: „I am delighted to share that I have recently joined ABC Company as a Senior Manager."
Natürliche Version: „Excited to share I've joined ABC as a Senior Manager!"
→ „I am delighted" durch „Excited" ersetzen, „that/recently" streichen, Ausrufezeichen hinzufügen
Diese fünf Szenarien decken 80 % der alltäglichen englischen Kommunikation ab. Merken Sie sich diese fünf Paare – jedes Mal, wenn Sie eine E-Mail schreiben, vergleichen Sie sie. Schon halbiert sich der KI-Ton.
5-Schritte-Checkliste: In 30 Sekunden klingt Ihr Englisch natürlich
Schritt 1: Abkürzungen suchen (5 Sekunden)
Durchsuchen Sie den gesamten Text nach „do not", „I will", „we are", „cannot", „it is". Wenn keine einzige Abkürzung vorkommt, ist es KI-geschrieben. Ersetzen Sie alles durch „don't", „I'll", „we're", „can't", „it's".
Schritt 2: Anfang prüfen (5 Sekunden)
Beginnt der erste Satz mit „I am writing to inform you that..." oder „This email is to..."? Streichen Sie ihn und kommen Sie direkt zur Sache.
Schritt 3: Passiv aufspüren (5 Sekunden)
Suchen Sie nach „has been", „was", „were". Fragen Sie sich bei jedem Fund: „Wer hat diese Aktion ausgeführt?" und fügen Sie das Subjekt hinzu.
Schritt 4: Formelle Wörter checken (10 Sekunden)
Suchen Sie nach: per, upon, acknowledge, advise, kindly, regarding, facilitate, utilize, terminate. Ersetzen Sie jedes gefundene Wort durch eine alltägliche Formulierung.
Schritt 5: Laut lesen (5 Sekunden)
Lesen Sie den Text leise vor. Wenn es sich wie ein amtliches Schreiben anhört – zu formell. Natürliches Englisch sollte klingen, als würde jemand sprechen.
Diese fünf Schritte dauern keine 30 Sekunden. Nach zehnmaligem Durchführen wird es zur Gewohnheit. Sie werden nie wieder Sätze wie „Please find attached" schreiben.
Fazit: Lassen Sie die KI nicht für Sie sprechen – lassen Sie sie Ihnen helfen
Die KI strebt nach „Korrektheit", der Mensch nach „Kommunikation". Eine englische E-Mail muss nicht grammatikalisch perfekt sein – sie muss dem Gegenüber das Gefühl geben, dass Sie mit ihm sprechen.
Sie müssen die KI nicht aufgeben. Die KI kann Ihnen 70 % des „Wie schreibe ich?" abnehmen – Vokabular, Grammatik, Struktur. Die restlichen 30 % – Tonfall, Kultur, Emotion – müssen Sie selbst steuern.
Denken Sie daran:
Nutzen Sie die KI für den ersten Entwurf, treffen Sie die endgültige Entscheidung selbst.
Streichen Sie alle Wörter, die „zu professionell" wirken.
Lesen Sie einmal durch – klingt es wie etwas, das Sie selbst sagen würden? Wenn nicht, ändern Sie es.
Lassen Sie die KI nicht für Sie sprechen – lassen Sie sie Ihnen helfen. Das ist der größte Vorteil von Nicht-Muttersprachlern im KI-Zeitalter.


